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Antworten: Prof. Katrin Salchert

Antworten auf den Fragenkatalog zur Rektorinwahl von Katrin Salchert

 


1. Wie würden Sie die beiden Bereiche Forschung und Lehre wichten?

Traditionell steht bei Fachhochschulen die Lehre mit einer praxisorientierten Wissensvermittlung im Vordergrund. Jedoch haben sich in den letzten Jahren/Jahrzehnten das Selbstverständnis von Fachhochschulen und auch die gesellschaftlichen Anforderungen stark verändert. Eine anwendungsorientierte Forschung und der damit einhergehende Transfer von Wissen und Technologien in Wirtschaft und Gesellschaft sind aus dem Bild von Fachhochschulen heute nicht mehr wegzudenken, mehr noch – sie gehören zu einem zeitgemäßen Profil der Fachhochschulen. Das widerspiegelt sich auch in der zunehmenden Verwendung des Begriffs „Hochschulen für angewandte Wissenschaften“. Zudem bin ich der Auffassung, dass moderne Lehre mit dem Ziel der Kompetenzvermittlung und einer qualifizierten Berufsvorbereitung junger Menschen ohne den Einfluss von Ergebnissen der eignen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf Lehrinhalte nur suboptimal gelingen kann. Darüber hinaus unterliegen auch bestehende Lehrformate einem steten Wandel, neue Lehrformen müssen evaluiert und die Qualität der Lehre muss gesichert werden. Vor diesem Hintergrund weise ich beiden Bereichen in Hinsicht auf Aufgabenerfüllung und Sicherung der Zukunftsfähigkeit der HTW in etwa die gleiche Bedeutung zu, auch wenn gesetzlich klar geregelt ist, dass mit einer aktuellen Lehrverpflichtung von 18 SWS für fachhochschulische Professuren das größere Gewicht bei der Erfüllung von Lehraufgaben liegt. Hier schließe ich mich umfänglich der Forderung nach einer Lehrreduktion für an Fachhochschulen tätigen Professorinnen und Professoren an, da sich das Profil dieses Hochschultyps in der Vergangenheit stark verändert hat.


2. Wie sind Sie vernetzt und welche Vorteile ergeben sich daraus für die Hochschule?

Aufgrund meiner beruflichen Heimat bin ich im Land Brandenburg über meine Tätigkeit als Vizepräsidentin für Wissens- und Technologietransfer und Struktur an der BTU Cottbus – Senftenberg mit den Leitungsebenen dieser Hochschulen gut vernetzt, pflege auch gute Kontakte zur Hochschule Zittau – Görlitz und weiteren Fachhochschulen der Bundesrepublik. Diese Kontakte ergeben sich vor allem über die Vertretung der BTU durch meine Person im Deutschen Hochschulkonsortium für Internationale Kooperationen (DHIK; https://www.dhik.org/). Dieses Konsortium möchte ich zukünftig nutzen, um den Studierenden der HTW Dresden koordinierte und niederschwellig zugängliche Studienaufenthalte in China oder Mexiko zu ermöglichen. Außerdem möchte ich Studierende aus diesen Ländern an die HTW holen und auch Lehrenden die Möglichkeit eröffnen, Kontakte zu Partnerhochschulen in diesen Ländern aufzubauen. Darüber hinaus habe ich Verbindungen zur Universidade Pedagógica in Maputo, die auch zukünftig dem Austausch von Studierenden und Lehrenden und damit der Erweiterung des wissenschaftlichen, kulturellen und sprachlichen Horizonts dienen können. Dies bietet einen Ansatz zu konkreter Entwicklungshilfe für Mocambique.
Ich habe in den vergangenen Jahren eng mit dem Stifterverband im Rahmen des Transferaudits zusammengearbeitet und darüber Kontakte zu vielen Hochschulen und Universitäten des Landes herstellen können. Diese werde ich genauso wie meine Verbindungen zu außeruniversitären Forschungseinrichtungen insbesondere der Leibniz-Gemeinschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft sowie zu verschiedenen Industrieunternehmen nutzen, um Mehrwerte für die HTW in den Bereichen Lehrimport,
Studierenden- und Absolventenvermittlung, Forschungs- und Entwicklungskooperationen zu generieren. Zudem sind neben Verbindungen zu Hochschulen, Forschungseinrichtungen und in die Wirtschaft Kontakte in Kommunen, in die Region und zu Sozial- und Kulturpartnern für mich extrem wichtig, um für die Hochschule wirken zu können. Diese Verbindungen werde ich mir vor Ort allerdings erst noch aufbauen müssen.


3. Inwieweit haben Sie bisher mit studentischen Vertretungen zusammengearbeitet?

Die koordinierte und regelmäßige Zusammenarbeit mit studentischer Vertretungen wird an der BTU auf der Ebene der Hochschulleitung überwiegend durch den Präsidenten/die Präsidentin wahrgenommen. Sofern die Möglichkeit bestand, habe ich auch den formellen und informellen Treffen mit Stura und Stupa teilgenommen, um mit den studentischen Vertretungen ins Gespräch zu kommen. Desgleichen tausche ich mich regelmäßig mit den mir bekannten Vertretern der Studierendenschaft im Senat zu aktuellen Entwicklungen an der BTU aus. Ich nehme Anliegen der Studierenden sehr ernst, da sie laufende Prozesse mit einem anderen Blickwinkel an einer Hochschule verfolgen und bewerten um Einfluss zu nehmen. Diesen Perspektivwechsel nachzuvollziehen, kann und muss Auswirkungen auf meine eigene Rezeption und Interpretation und die Entscheidungsfindung haben.


4. Wie sieht Ihrer Meinung nach eine produktive Zusammenarbeit zwischen dem Rektorat und der studentischen Selbstverwaltung aus?

• Wertschätzung der Gesprächspartner
• Regelmäßiger, institutionalisierter Informationsaustausch
• Konstruktive Diskussionen
• Formulierung gemeinsamer Ziele
• Gemeinsame Erklärungen zu bestimmten Aspekten in der Hochschulpolitik


5. Was sind Ihre Projekte für die ersten sechs Monate Ihrer Amtszeit?

Mein größtes Projekt wird sein, die HTW im Detail kennenzulernen: die Hochschulleitung, handelnde Personen aller Statusgruppen, Fakultäten, Verwaltung, Einrichtungen, Projekte aus Lehre, Forschung und Transfer. Ich werde sehr viele Gespräche führen und für Gespräche bereit stehen. Den Status und die Ziele der Fakultäten zu verinnerlichen, um daraus Maßnahmen im weitgehenden Einvernehmen mit den Fakultäten abzuleiten, wird meine wichtigste Aufgabe in diesem Prozess sein. Ich werde mir die Zahlen der HTW genau ansehen, nach Visionen fragen, mir die größten „Baustellen“ erläutern lassen,… alles, was zu Beginn einer Leitungstätigkeit in völlig neuen Institutionen zu tun ist. Es gilt, viele Fragen zu stellen, Antworten zu erhalten und zu beginnen, die eigenen Vorstellungen mit den Möglichkeiten abzugleichen, um dann gemeinsam mit den Mitgliedern und Angehörigen der Hochschule die HTW weiter zu entwickeln.
Da ich dem Thema Digitalisierung im Kontext der Veränderungen unserer Arbeitswelt und speziell in Verwaltungsabläufen, bei der Qualifizierung und Beratung von Unternehmen, bei der Einbindung des Themas in die Lehre und der damit verbundenen Kompetenzvermittlung eine hohe Wertigkeit für die HTW zuweise, möchte ich in Kooperation mit den Fakultäten, der Verwaltung, mit Studierenden und Mitarbeitern – sofern nicht schon vorhanden - eine Arbeitsgruppe Digitalisierung ins Leben rufen, die maßgeblich die Formulierung einer Digitalisierungsstrategie erarbeitet.


6. Wie soll man mit dem Rückgang der Studierendenzahl umgehen?

Hier besteht dringender Handlungsbedarf – leider nicht nur an der HTW, das gilt für alle Universitäten und Fachhochschulen im Osten des Landes. Optionen sehe ich in der Verstärkung von Maßnahmen zur Studierendengewinnung und zur Verbesserung des Studienerfolgs (Senkung der Abbrecherquote und Erhöhung des Anteils der Studierenden in der Regelstudienzeit). Letzteres vor allem mit dem Ziel, „Good News“ zu senden und darüber eine positive Außendarstellung der HTW sicherzustellen. Vor dem Hintergrund sich verändernder Rahmenbedingungen (demografischer Wandel) sind im Hochschulentwicklungsplan verankerte Zahlen zur Studierendenzahl in der Diskussion mit dem zuständigen Staatsministerium ggf. anzugleichen.

Ich möchte Folgendes erreichen:

• Erhöhung des Anteils der Frauen in den MINT-Studiengängen, um einen Beitrag zur Sicherung/Erhöhung der Gesamtstudierendenzahl (Vorpraktika, spezielle Programme für Schülerinnen, Teilnahme an BMBF-Programmen, …) zu leisten
• Aufzeigen von Berufsperspektiven für Studieninteressierte in Kooperation mit Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Kommunen usw., die bereits jetzt oder perspektivisch vom Fachkräftemangel betroffen sind
• Erhöhung des Anteils internationaler Studierender (spezieller Fokus auf die Nachbarländer Polen und Tschechien, Weiterführung der Diskussion um englischsprachige Studienangebote explizit im Masterbereich, Nutzung bestehender Kontakte z.B. über das DHIK)
• „HTW goes Schule“ als Format zur Motivation Studieninteressierter
• Weitere Optimierung der Studienvorbereitungs- und –eingangsphase
• Maßnahmen für potenzielle Studienabbrecher
• Prüfung der Einführung weiterbildender Studiengänge oder von Zertifikatskursen im Sinne des lebenslangen Lernens


7. Wie sind Sie auf den Rektorinnenposten der HTW Dresden aufmerksam geworden und was motivierte Sie für Ihre Kandidatur?

Ich habe die Ausschreibung bei Recherchen im Internet gelesen und fühlte mich sofort angesprochen. Gründe für die Bewerbung sind vielfältig. Zum einen habe ich Freude an der Gestaltung einer Hochschule, beim Aufstellen und der Ausfüllung von Strategien und an der Leitungstätigkeit. Dabei kann ich auf Erfahrungen auf unterschiedlichen Ebenen aus meiner nunmehr 4,5 jährigen Tätigkeit als Vizepräsidentin zurückgreifen. Mir bereitet die Arbeit mit Menschen, insbesondere mit jungen Menschen, sehr viel Freude. Ich bin konflikterprobt und mir ist bewusst, dass diese Eigenschaft auch zukünftig gefordert wird. Ich übernehme gern Verantwortung und möchte Talente fördern und entwickeln. Darüber hinaus bin ich nach wie vor bekennende Fachhochschulprofessorin, fühle mich in dem Umfeld von Lehre und anwendungsorientierter Forschung sehr gut aufgehoben und möchte zukünftig konstruktiv an der Entwicklung der HTW mit strategisch wichtigen Arbeitsfeldern wie Wissens- und Technologietransfer, Weiterbildung und Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie Digitalisierung mitwirken. Und nicht zuletzt reizt mich die Landeshauptstadt Dresden – die Arbeitsaufgaben betreffend und persönlich - mit ihrer reichhaltigen Forschungslandschaft, mit dem vorhandenen Gründergeist, mit innovativen Unternehmen und natürlich auch mit ihrem vielfältigen kulturellen Angebot


8. Was halten Sie vom Hochschulentwicklungsplan des Freistaates Sachsen, bzw. genauer von Zielvereinbarungen?

Der Hochschulentwicklungsplan des Freistaates Sachsen ist so umfänglich, dass es den Rahmen Ihrer Befragung hinsichtlich der Ausführungen sprengen würde und nur einzelne Aspekte herauszugreifen und zu kommentieren, halte ich nicht für legitim. Nur so viel: Der HEP liefert den Hochschulen des Freistaates eine recht genaue Orientierung zu Ihrem Handeln und gibt den Hochschulen weitgehende Finanz- und Planungssicherheit. Zudem macht der Freistaat mit dem HEP deutlich, dass er die Entwicklungen seiner Hochschulen aufeinander und auf die Bedürfnisse des Landes gerichtet abstimmt. Auf der anderen Seite leben wir in einer leistungsorientierten Gesellschaft und auch Hochschulen müssen sich dem Wettbewerb stellen. Zielvorgaben sind sinnvoll, müssen aber zwischen den Betroffenen ausgehandelt und realistisch sein. Der leistungsabhängige Teil in der Hochschulfinanzierung ist nach meiner Einschätzung nicht so groß, dass immenser Schaden zu befürchten ist, wenn die Zielvorgaben nicht erreicht werden, aber groß genug, um in das Bewusstsein aller Hochschulangehörigen vorzudringen, um sie zum aktiven Mittun zu motivieren. Letztendlich bildet der HEP Sachsen den Rahmen für den eigenen Hochschulentwicklungsplan der HTW und sichert zudem die finanziellen Rahmenbedingungen zumindest für einen großen Teil. Das ist für mich eine wichtige und verlässliche Größe innerhalb eines bestimmten, langfristigen!! Zeitfensters.


9. Die HTW Dresden ist systemakkreditiert. Wie stellen Sie sich das interne Qualitätssicherungsverfahren vor und welche Verbesserungen würden Sie anbringen?

Die Systemakkreditierung bescheinigt der HTW, dass ein Qualitätssicherungssystem im Bereich Studium und Lehre besteht und dieses geeignet ist, das Erreichen von Qualifikationszielen und Qualitätsstandards bestehender und einzurichtender Studiengänge zu sichern. Das an der HTW entwickelte Qualitätssicherungsverfahren (entnommen dem Qualitätsbericht Lehre 2017) enthält die entscheidenden Elemente zur Sicherung der internen und externen Qualitätsansprüche.
Die interne Qualitätssicherung muss sich u.a. an harten Zahlen wie Studienabbrecherquote, Studierende in der Regelstudienzeit und Absolventenzahlen orientieren. Die systematische studiengangsbezogene Auswertung der Zahlen liefert erste Hinweise auf „Problemfälle“. Zudem müssen Lehrveranstaltungen dauerhaft und hochschulweit durch die Studierenden evaluiert werden. Die Evaluierungsbögen sollten neben der Evaluation der Lehrleistung auch Fragen zur Selbsteinschätzung der Studierenden beinhalten. Die Lehrevaluation darf dabei nicht nur der Information der Lehrenden mit dem Ziel der Nachjustierung in der Lehre dienen, sondern muss auch in die Verpflichtung zur Teilnahme an der hochschuldidaktischen Weiterbildung münden, wenn die Evaluationen wiederholt nicht einer festzulegenden Zielgröße entsprachen.
Die Erfüllung von Qualitätsstandards bei der Einrichtung von Studiengängen, bei der Neufassung oder Überarbeitung von Studien- und Prüfungsordnungen sollte nach meinem Dafürhalten durch einen fakultätsübergreifend wirkenden Beirat geprüft werden, dem auch externe Mitglieder aus Wirtschaft und Forschungseinrichtungen angehören sollten (kann vielleicht durch den Hochschulrat geleistet werden), um u.a. die Anforderungen künftiger Arbeitgeber zu kommunizieren. Dieser Beirat sollte sich auch zu hochschulweiten Regeln, wie z.B. zur Modulgröße und –dauer, positionieren und weitere Empfehlungen zu SPOs und zur Qualitätssicherung in der Lehre geben sowie Anregungen zur Einrichtung und Einstellung von Studiengängen aussprechen.


10. Welche Kriterien stellen Sie an die Posten der Prorektoren und haben Sie schon konkrete Besetzungsvorschläge?

Sie werden verstehen, dass ich an dieser Stelle keine konkreten Antworten auf Personalfragen geben werde. Die Auswahl an Prorektoren hinsichtlich Anzahl und Herkunft aus unterschiedlichen Fakultäten ist im Sächsischen Hochschulfreiheitsgesetz genau geregelt. Sollte ich als Rektorin gewählt werden, werde ich Gespräche auf Hochschulleitungs- und Fakultätsleitungsebene führen, mich beraten lassen und daraufhin meine Vorschläge dem Senat unterbreiten.


11. Durch Gremienarbeit, speziell in der studentischen Selbstverwaltung, findet ein starker Kompetenzerwerb statt. Sollte dieser nach Bologna mit ECTS anerkannt werden?

Die Mitwirkung in der studentischen Gremienarbeit wird von Ihnen völlig zu Recht mit einem starken Kompetenzerwerb charakterisiert. Da ETCS-Punkte durch die Belegung von Modulen erworben werden und damit auch an die Erfüllung von Prüfungsleitungen gebunden sind, kann Gremienarbeit keine Basis für die Vergabe von Credit Points bilden.


12. Welche grundsätzlichen Punkte würden Sie bei der anstehenden Novellierung des Sächsischen Hochschulfreiheitsgesetzes anbringen?

• Prüfung der Einführung von zeitlich befristeten Forschungsprofessuren an Fachhochschulen einhergehend mit einer Reduktion des Lehrdeputats, mit Anspruch auf akademisches Personal zur Abdeckung der Lehrverpflichtung, mit finanzieller Unterstützung
• Einräumung des Promotionsrechts für Fachhochschulen – nicht generell, sondern für einzelne, forschungsstarke Fakultäten
• Sicherstellung des Studienerfolgs für Studierende, die in einem eingestellten/zur Einstellung vorgesehenen Studiengang studieren

 

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